In diesem Jahr habe ich die Grillsaison mit anticuchos eröffnet. Anticuchos sind marinierte Herzspieße, die in Peru sowohl als Street Food als auch in feinen Lokalen zu finden sind. Es heißt, schon in der Inkazeit hätte es sie gegeben, wenn auch aus Lama-Fleisch. Es waren aber die Spanier, die den Knoblauch zur Chili-Marinade zugaben und das Fleisch an Spießen grillten. Schließlich gaben die Afroperuaner den anticuchos den letzten Dreh: Sie benutzten dafür Rinderherz. Da niemand sonst damals Innereien essen wollte, erhielten sie diese absolut unbeliebten Fleischteile vom Schlachter. Mit großer Kreativität und Sinn für leckeres Essen wurden so viele unserer Gerichte entwickelt.

Ich habe mich lange davor gescheut, Innereien zu kochen. Das erste Mal geschah es – wie sicher einst bei meiner Urgroßmutter auch – aus der Not heraus. Meine Reise nach Deutschland stand bevor und Papa hatte nach den vielen Ausgaben für meinen Studienaufenthalt kein Geld mehr für meine Abschiedsparty übrig. Ich wollte aber unbedingt eine Party, am besten eine Grillparty. Nur konnte sich mein Papa keine Grillparty ohne Steaks und Wurst vorstellen. Ich ließ aber nicht locker, und so lernte ich an einem Tag den Umgang mit Innereien kennen! Zum Glück ist Herzfleisch vergleichsweise günstig. Mit vielen Pellkartoffeln und Maiskolben als Beilage und mithilfe des Freundes meiner Schwester, der das Bier besorgte, fand meine Abschiedsparty doch noch statt. Alle wurden satt und ich war so glücklich!

Meine Freundinnen und ich bei meiner Abschiedsparty mit anticuchos, Lima 1999

Meine Freundinnen und ich bei meiner Abschiedsparty mit anticuchos, Lima 1999

Nun hier in Deutschland habe ich mich nicht gewagt, Rinderherz zu grillen, geschweige denn, an der Metzgertheke in aller Öffentlichkeit Innereien zu bestellen. Bis ich auf ein englisches Kochbuch stieß: „Nose to Tail„. Zum Thema Herz-Zubereitung sagt Fergus Enderson in seinem Buch: „Das Herz ist nicht zäh wie Leder, wie man angesichts der vielen Arbeit, die es erledigt, vermuten könnte, sondern fest, fleischig und zart.“ Ja, Enderson weiß, wovon er spricht! Und … wenn die Engländer es machen, wieso sollte ich es nicht hier in Deutschland ausprobieren? Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und ging auf den Markt. Eine ältere Dame neben mir bestellte „Nieren“ und als ich dran war, fiel die Herz-Bestellung nicht mehr so schwer. Mein Metzger, Herr Adam, war entzückt und befreite das Fleisch vom überschüssigen Fett. Ich versprach ihm ein Foto vom fertigen Gericht und das Rezept. Hier auch für Herrn Adam: das Rezept von anticuchos!

Rezept für Anticuchos – Gegrillte marinierte Herzspieße

Zutaten (4 Portionen)Zutaten

500 g Rinderherz oder ersatzweise ein anderes Fleisch *
100 ml Rotweinessig
100 ml Öl
4 EL Panca-Chili-Mus oder 2 EL Panca-Chili-Pulver
1 TL Amarillo-Chili-Pulver oder ersatzweise sehr fein gehackte orangene Pepperoni und orangene Paprika
4 Knoblauchzehen
1 EL Oregano
2 TL Kreuzkümmel
Salz
Pfeffer
* ich habe diesmal Schweineherz genommen. Gute Ergebnisse hatte ich auch mit Schweinelende.

Optional als Beilage

Rocoto-Chili-Mus
Pellkartoffeln
gekochte Maiskolben

Zubereitung

Das Herzfleisch vom Fett und von den Fasern befreien und in kleine, eher flache Stücke schneiden. Knoblauch sehr fein haken und zum Fleisch zugeben. Das Fleisch zusammen mit den Gewürzen, dem Öl und Essig einlegen und mindestens 6 Stunden, aber am allerbesten 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahren. Die Marinade vom Fleisch etwas entfernen und jeweils 3 bis 4 der Fleischstücke auf einen Bambusspieß piksen. Auf den Grill legen oder in der Pfanne auf mittlerer Hitze braun anbraten, bis das Fleisch gar ist. Mit Kartoffeln servieren. Ich habe diesmal ein Rocoto-Chili-Mus dazu gereicht. Für mich ist es die perfekte Geschmackskombination!

Guckt mal bei den Bezugsquellen, dort findet ihr den Shop, wo ich mein Rocoto-Mus gekauft habe. Man könnte auch diese Chili-Sorte im Garten pflanzen, habe ich gehört. Das werde ich sicher bald versuchen. Solange genieße ich mein Glas, bis es ganz leer ist. :O)rocoto

Fotos der Zubereitung: antichuchos